Zum Kringeln

Am letzten Sonntag hatte ich Frühstücksbesuch. Von Frau Kuchen! Sie brachte jemanden mit, der die ganze Nacht fleißig gegangen war: einen riesigen Bagelteig nach Cynthia Barcomis Rezept, der verheißungsvoll über den Schüsselrand lugte. Wenige Minuten später konnten dreizehn abgewogenen, handgerollten Teigkringel zu Wasser gelassen werden und landeten danach mit Mohn und Sesam dekoriert im Ofen.

Freischwimmer

Auf geht's!

Ab in den Ofen

Frisch und knusprig

Lecker!

Ein schönes Wochenende wünscht Frau Müller

Westfälische Amore

Risotto gehört für mich zum Winter wie der leider rar gewordene Schnee. Genau wie mindestens einmal ein richtiges Grünkohlessen (wenn ich den großen Grünkohlkorb auf dem Markt entdecke, schlägt mein Westfalenherz einfach höher). Und bei dem ganzen süßen Plätzchenbacken und hinterhältigen Schokonikoläusen kriege ich ziemlich schnell einen Rappel und brauche ein wirklich deftiges Kontrastprogramm.

Ob ich vor einer Woche einen Traum zur westfälisch-italienischen Völkerverständigung hatte, weiß ich nicht, aber als ich am Donnerstag aufgewacht bin, war plötzlich glasklar, dass es am Wochenende Risotto mit Grünkohl geben wird. Und es hat sich gelohnt – ich freue mich sogar, dass mir vor lauter Begeisterung gestern die ganze 500 g-Risottotüte in den Topf gekippt ist und wir noch einen weiteren Tag lang etwas davon hatten.
Allen, die jetzt mit gerümpfter Nase mäkeln, dass man Risotto nicht aufwärmen sollte, weil er dann seinen Biss verliert (und so weiter, und so weiter) kann ich nur sagen: Jawoll, unter normalen Bedingungen bin ich da bei Euch. Aber der Grünkohl wird beim Aufwärmen immer besser und macht den Risotto auch in der zweiten Runde zu einem seeeeehr leckeren Winterabendessen. Wer allerdings wie ich in einer Region lebt, in der man nicht einfach zum Metzger gehen und “Pinkel” bestellen kann (Für alle Nicht-Nordlichter, die jetzt genauso angewidert und irritiert schauen, wie meine bayerische Metzgersfrau: Grützwurst, die eigentlich unbedingt zum Grünkohl dazugehört), kann auch auf würzige Salami ausweichen.

Grünkohlrisotto
(für 4-6 Personen oder zwei gierige/hungrige, die gerne auch am zweiten Tag noch etwas davon haben wollen)

6 Handvoll gehackter Grünkohl
3 Frühlingszwiebeln
1 große Knoblauchzehe
1 Pinkel oder ein Stück Kabanos/Salami
500 g Risottoreis
trockener Weißwein
Gemüsebrühe
1 kleiner Bund Petersilie
3 Handvoll geriebener Parmesan
Butter
Salz, Pfeffer

Den Grünkohl mit Zwiebeln und Knoblauch in einem Topf mit etwas Olivenöl andünsten bis er zusammenfällt. Gegebenenfalls etwas Wasser zugeben. Währenddessen die Wurst in kleine Würfel schneiden oder hacken und unterrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Wenn der Grünkohl gar ist, in einen zweiten Topf umfüllen, eventuell übriggebliebenen Sud auffangen.
Mit dem Risotto beginnen und nach der zweiten Brühezugabe die Hälfte des Grünkohls und den Sud einrühren. Kurz bevor der Risotto die gewünschte Konsitenz hat, die fein gehackte Petersilie einstreuen, salzen und pfeffern. Zwei Drittel des Parmesans und etwas Butter unterrühren und zwei Minuten mit geschlossenem Deckel ziehen lassen. Zum Servieren frisch gemahlenen Pfeffer und etwas Parmesan darüberstreuen.

Einen genussvollen Mittwoch wünscht Frau Müller

Walnuss-Birnen-Marmelade oder die Entdeckung von Agar-Agar

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In den letzten Jahren habe ich gefühlte 100 Gläser Marmelade eingekocht, Sommersorten, Winterzaubereien, mit Stückchen, ohne Stückchen … und eigentlich ist es mir öfter passiert, dass die Masse zu fest wurde und ich schon dachte, wenn ich diese Marmelade verschenke, muss jemand Stücke herausschneiden und auf dem Brot verteilen.

Und jetzt hat mich ein Rezept so angelacht, dass ich dachte: Das muss ich ausprobieren. Gesagt, getan. Und obwohl ich schon so oft Zucker und Früchte zusammen gerührt habe, stimmte dieses Mal etwas nicht. Die Masse wurde nicht fest, sondern blieb suppig. Ich kochte es dennoch ein und vertraute auf ominöse Zauberkräfte, die über Nacht die Masse fest werden lassen.

Die kamen aber nicht und so bleib die Masse suppig. Grrr. Ich erzählte Frau Müller davon und bekam den Rat, doch mal Agar-Agar auszuprobieren. Das hatte ich schon mal gehört, aber noch nie ausprobiert. Der nette Verkäufer im Reformhaus pries mir dann auch die Vorzüge an und ich machte mich zu Hause gleich ans erneute Einkochen. Und was soll ich sagen? Hokus-Pokus-fidibus und so weiter. Die Marmelade wurde fest und da ich sie nochmals pürierte, war die Konsistenz super: Agar-Agar wird nämlich aus Algen hergestellt, ist also rein pflanzlich und da kein Zucker enthalten ist, wird die Marmelade nicht süßer, sondern einfach nur fester. Und wenn sie zu fest wird, kann man etwas Wasser dazugeben und es wird wieder flüssiger! Man kann also gar nichts falsch machen. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

Und hier ist das Rezept für die Marmelade (ich weiß, eigentlich sagt man Marmelade nur bei Zitrusfrüchten, aber Konfitüre klingt immer so… hm, hochtrabend)

150 g Walnüsse
1kg Birnen
10 cm Ingwer
200 ml Wasser oder Weißwein
400 g Zucker
etwas Lakritzpulver (alternativ Süßholzwurzel oder Anis)
2 TL Agar-Agar

Walnüsse klein hacken, die Birnen in Würfel schneiden. Den Ingwer ebenfalls zerkleinern. Alles mit Wasser, Zucker, Lakritz und Agar-Agar mischen und bei mittlerer Hitze aufkochen lassen. Drei Minuten kochen lassen, die Gelierprobe machen und die Masse in sterilisierte Gläser füllen. Fünf Minuten auf den Deckel stellen. Fertig.

Guten Appetit und viel Erfolg wünscht Frau Kuchen

Scharfe Sache

Es ist zur Zeit immer dunkel, wenn ich zuhause bin und meistens auch schon spät. Vor zwei Wochen hab ich über die stressige Freizeit gemeckert, jetzt nervt mich, dass ich kaum welche habe. Manchmal fehlt einfach ein Zeitumkehrer, vielleicht sollte ich mal bei Professor Dumbledore anklopfen. Dann könnte ich auch gleich nach einem Mittel gegen Herbstträgheit fragen, denn die ist momentan mein ständiger Begleiter.

Aber eigentlich wollte ich ja meinen Senf zu einem anderen Thema dazugeben… Ich habe mittlerweile sechs Sorten eingekocht. Wobei es sich eher um ein Senf-Früchte-Chutney handelt, denn die Schärfe hängt vom verwendeten Senfmehl ab. Das Gruppenfoto ist nicht wirklich toll geworden, aber Senf in Senftönen wird auch nie einen Schönheitspreis gewinnen.

Senf(links hinten Birne, links vorne Zwetschge, Mitte oben Quitte, Mitte unten Ananas, rechts Nektarine – den Rhabarbersenf hatte ich ja schon hier gezeigt)

Die letzten Senfsorten habe ich alle nach dem gleichen Rezept gekocht:

1 kg fein gewürfelte Früchte
300 ml naturtrüber Apfelsaft (oder ein anderer, der zum verwendeten Obst passt)
150 ml Weißweinessig
150 g Zucker
60 g gelbes Senfmehl

Essig, Saft und Zucker aufkochen, wenn sich der Zucker aufgelöst hat, Obstwürfel dazu. Nach 10 Minuten (ggf. auch früher, die Würfel sollten noch bissfest sein) die Hälfte mit einer Schaumkelle herausheben, abtropfen und beiseite stellen. Den Rest etwa eine halbe Stunde bei mittlerer Hitze einreduzieren. Die Masse sollte leicht zerkocht und von einer Konsistenz wie flüssige Marmelade sein. Von der Herdplatte nehmen, Senfmehl einstreuen und gut verrühren. Wieder auf den Herd stellen und leicht köcheln, dabei ständig umrühren, da der Senf schnell ansetzt. Kurz bevor die gewünschte Konsistenz erreicht ist, die beiseite gestellten Fruchtwürfel zugeben und weiterrühren. Heiß in sterile Gläser geben und fest verschließen. Bis zur Verwendung mindestens 4 Wochen ziehen lassen.

Und hier noch mein Zwischenergebnis der bisher “eingesenften” Obstsorten:
Der Birnensenf ist sehr zart im Geschmack, Quitte ebenso, aber zu einfachem Gouda oder Ziegenfrischkäse sehr gut. Beiden tut ein bisschen zusätzliche Würze (Kräuter, Chili oder auch Curry) ganz gut. Der erste Durchgang mit ganz reifen Nektarinen ist super geworden, die zweite Version (da war die Saison aber schon fast vorbei) ein bisschen weniger intensiv. Ananas zieht noch und wartet auf den Geschmackstest.
Geschmacklich haben bisher definitiv Nektarine und Zwetschge gewonnen, die bieten auch einem würzigen Bergkäse oder reifem Camembert Paroli. Wenn im nächsten Jahr die Obstsaison wieder beginnt, möchte ich Kirschen, Beeren und Aprikosen ausprobieren. Mango, Feige und Orange würden mich in diesem Jahr auch noch reizen, aber jetzt müssen erstmal die Vorräte gegessen und verschenkt werden.
Wenn man hübsche Gläschen mit Etiketten und einen farblich schönen Senf (bisher hat in dieser Hinsicht nur Zwetschge wirklich überzeugt) verwendet, wären das auch sehr schöne Hochzeits-Gastgeschenke…

Einen schönen Rest der Woche wünscht Frau Müller