Rot-Rot-Gold

Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Denn dies ist kein WM-Beitrag sondern ein rein marmeladiger. Nachdem es hier erstmal nicht geregnet hat, war auch in den Einkochtöpfen eine Weile Ruhe. Aber für dieses Wochenende war Regen vorausgesagt und damit wanderten kiloweise Beeren, Aprikosen und Pfirsiche in meinen Einkaufskorb. Das Ergebnis sind 27 kleine und große Gläschen voll frischer, duftender Marmeladen.

Marameladenparade

Nach einigen Tests mit 1:1 und 1:2 Zuckersorten, bin ich jetzt bei 1:3 gelandet, denn ich mag es erstens nicht ganz so süß und zweitens möglichst fruchtig. Außerdem wollte ich diesmal ein bisschen mit Kräutern experimentieren… Nachdem sich bisher alle „Testobjekte“ lobend geäußert haben und ich selbst auch recht zufrieden bin, hier meine aktuellen Lieblingsrezepturen:

Heidelbeer-Orange-Thymian
1.300 g Heidelbeeren
200 ml frisch gepresster Orangensaft
500 g 1:3 Einmachzucker
4 Stängel frischer Thymian (oder 2 TL getrocknete Blättchen)

Heidelbeeren gründlich waschen und putzen, mit dem Orangensaft mischen und alles gut pürieren. Thymianblätter abzupfen, kurz durchhacken und mit dem Einmachzucker und dem Heidelbeerpüree verrühren. Unter Rühren erhitzen, 4 Min. sprudelnd kochen und in sterile Gläser abfüllen.

Beeren mit Vanille
1.500 g gemischte Beeren, können auch TK sein (ich hab frische Heidelbeeren, frische Erdbeeren und TK-Himbeeren verwendet)
Mark einer Vanilleschote
Abrieb und Saft einer halben Biozitrone
500 g 3:1 Einmachzucker
Beerenmix

Aprikose-Nektarine-Pfirsich mit Kräutern
insgesamt 1.500 g Aprikosen, Nektarinen und Pfirsiche (wer mag, kann Nektarinen und Pfirsiche kurz heiß überbrühen und häuten)
Saft einer Orange
1 Zweig Rosmarin
3 Zweige Thymian
500 g 3:1 Einkochzucker

Aprikose-Pfirsich-Nektarine
Süße Grüße aus dem Marmeladenkochstudio wünscht Frau Müller

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Sturm im Marmeladenglas

Puh. Seit dem Wochenende ist es ja nicht nur bei uns so heiß, dass man es ohne kühles Nass und Schattenplatz kaum ertragen kann. Von der nächtlichen Gewitterabkühlung ist auch heute nichts geblieben. Gestern bin ich mittags direkt wieder aus dem Büro geflüchtet und habe einen halben Urlaubstag damit verbracht, Eis zu essen, zu bummeln, mich in unserer kühlen Wohnung zu erholen und dabei Marmeladenetiketten zu beschriften. Während Frau Kuchen im fernen Japan weilt, habe ich nämlich fleißig für schlechte Zeiten vorgesorgt und schwelge in neuen Kreationen und Geschmacksrichtungen. Am liebsten würde ich jeden Abend nach der Arbeit eine neue Sorte zusammenrühren…

Ja, Einkochen kann süchtig machen und ich bekenne mich hiermit zudem öffentlich zum Marmeladenglasmessie. Diese mehr oder weniger zarten Geschöpfe tummeln sich bei uns auf, im und unter den Schränken, haben die Speisekammer in Beschlag genommen und durchaus die Tendenz, sich zwischenzeitlich an meinem Schreibtisch als Aufbewahrungsbehälter zu betätigen. Aber eigentlich machen sie nur eins: Sie warten. Auf die kommenden großen Marmeladenwellen.
Denn ich mag nunmal keine kleinen Töpfe, in denen eine 250 ml-Menge Frucht eindampft. Es wäre doch wohl ein nicht auszudenkendes Drama, wenn man so ausgerechnet die perfekteste Kreation aller Zeiten entwickelt und dann monatelang um das einzige Glas herumschleicht und sich nicht herantraut, weil es ja nur dieses eine gibt. Nee, nee. Da denke ich definitiv in größeren Dimensionen. Aber ich bin ja durchaus schenkfreudig und immer bereit, hier und da etwas davon unter die Leute zu bringen.
Ein bisschen sollte ich mich allerdings doch langsam zügeln, denn wenn das so weitergeht, reicht der Vorrat locker bis 2020!

Falls es wie vorhergesagt am Wochenende etwas abkühlt, verrate ich hier meine aktuelle Lieblingsversion mit Aprikosen. Wer weiß, welche Sorte bis dahin noch im Topf landet, denn morgen ist Markttag und der Obststand nur wenige Luftlinienmeter von meinem Schreibtisch entfernt. Ich höre die Gläschen schon erwartungsvoll mit ihren Deckeln klappern…

In jeder Hinsicht vor sich hinköchelnde Grüße von Frau Müller

Walnuss-Birnen-Marmelade oder die Entdeckung von Agar-Agar

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In den letzten Jahren habe ich gefühlte 100 Gläser Marmelade eingekocht, Sommersorten, Winterzaubereien, mit Stückchen, ohne Stückchen … und eigentlich ist es mir öfter passiert, dass die Masse zu fest wurde und ich schon dachte, wenn ich diese Marmelade verschenke, muss jemand Stücke herausschneiden und auf dem Brot verteilen.

Und jetzt hat mich ein Rezept so angelacht, dass ich dachte: Das muss ich ausprobieren. Gesagt, getan. Und obwohl ich schon so oft Zucker und Früchte zusammen gerührt habe, stimmte dieses Mal etwas nicht. Die Masse wurde nicht fest, sondern blieb suppig. Ich kochte es dennoch ein und vertraute auf ominöse Zauberkräfte, die über Nacht die Masse fest werden lassen.

Die kamen aber nicht und so bleib die Masse suppig. Grrr. Ich erzählte Frau Müller davon und bekam den Rat, doch mal Agar-Agar auszuprobieren. Das hatte ich schon mal gehört, aber noch nie ausprobiert. Der nette Verkäufer im Reformhaus pries mir dann auch die Vorzüge an und ich machte mich zu Hause gleich ans erneute Einkochen. Und was soll ich sagen? Hokus-Pokus-fidibus und so weiter. Die Marmelade wurde fest und da ich sie nochmals pürierte, war die Konsistenz super: Agar-Agar wird nämlich aus Algen hergestellt, ist also rein pflanzlich und da kein Zucker enthalten ist, wird die Marmelade nicht süßer, sondern einfach nur fester. Und wenn sie zu fest wird, kann man etwas Wasser dazugeben und es wird wieder flüssiger! Man kann also gar nichts falsch machen. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

Und hier ist das Rezept für die Marmelade (ich weiß, eigentlich sagt man Marmelade nur bei Zitrusfrüchten, aber Konfitüre klingt immer so… hm, hochtrabend)

150 g Walnüsse
1kg Birnen
10 cm Ingwer
200 ml Wasser oder Weißwein
400 g Zucker
etwas Lakritzpulver (alternativ Süßholzwurzel oder Anis)
2 TL Agar-Agar

Walnüsse klein hacken, die Birnen in Würfel schneiden. Den Ingwer ebenfalls zerkleinern. Alles mit Wasser, Zucker, Lakritz und Agar-Agar mischen und bei mittlerer Hitze aufkochen lassen. Drei Minuten kochen lassen, die Gelierprobe machen und die Masse in sterilisierte Gläser füllen. Fünf Minuten auf den Deckel stellen. Fertig.

Guten Appetit und viel Erfolg wünscht Frau Kuchen

Französischer Sommer: Aprikosenmarmelade

Bei manchen Lebensmitteln purzeln die Assoziationen nur so, zum Beispiel bei Aprikosenmarmelade. Ich weiß auch nicht, ob in meinem Französischbuch in der Schule von Aprikosen und der Provence die Rede war oder ob mich Werbung für Marmelade verdorben hat: Immer wenn ich Aprikosen sehe, denke ich an Südfrankreich, laue Sommerabende und ein duftendes Croissant mit … Aprikosenmarmelade.

Apricot

Für etwas Sommer auf dem frischen Baguette braucht ihr:

(für 6-7 kleinere Gläser oder 3 Große)

1 kg Aprikosen (am besten aus Frankreich, ist klar)
1 kg Gelierzucker
Saft von 1 Blutorange

Die Aprikosen waschen und würfeln. Mit dem Gelierzucker aufkochen und 4 Minuten köcheln lassen. Am Ende der Garzeit den Blutorangensaft hinzufügen. Die Gelierprobe machen und die heiße Masse in sterilisierte Gläser füllen. Kurz auf den Deckel stellen und ab in den Vorrat damit. Oder verschenken und Menschen am Frankreich-Gefühl teilhaben lassen. Bon Appétit wünscht Frau Kuchen.