Scharfe Sache

Es ist zur Zeit immer dunkel, wenn ich zuhause bin und meistens auch schon spät. Vor zwei Wochen hab ich über die stressige Freizeit gemeckert, jetzt nervt mich, dass ich kaum welche habe. Manchmal fehlt einfach ein Zeitumkehrer, vielleicht sollte ich mal bei Professor Dumbledore anklopfen. Dann könnte ich auch gleich nach einem Mittel gegen Herbstträgheit fragen, denn die ist momentan mein ständiger Begleiter.

Aber eigentlich wollte ich ja meinen Senf zu einem anderen Thema dazugeben… Ich habe mittlerweile sechs Sorten eingekocht. Wobei es sich eher um ein Senf-Früchte-Chutney handelt, denn die Schärfe hängt vom verwendeten Senfmehl ab. Das Gruppenfoto ist nicht wirklich toll geworden, aber Senf in Senftönen wird auch nie einen Schönheitspreis gewinnen.

Senf(links hinten Birne, links vorne Zwetschge, Mitte oben Quitte, Mitte unten Ananas, rechts Nektarine – den Rhabarbersenf hatte ich ja schon hier gezeigt)

Die letzten Senfsorten habe ich alle nach dem gleichen Rezept gekocht:

1 kg fein gewürfelte Früchte
300 ml naturtrüber Apfelsaft (oder ein anderer, der zum verwendeten Obst passt)
150 ml Weißweinessig
150 g Zucker
60 g gelbes Senfmehl

Essig, Saft und Zucker aufkochen, wenn sich der Zucker aufgelöst hat, Obstwürfel dazu. Nach 10 Minuten (ggf. auch früher, die Würfel sollten noch bissfest sein) die Hälfte mit einer Schaumkelle herausheben, abtropfen und beiseite stellen. Den Rest etwa eine halbe Stunde bei mittlerer Hitze einreduzieren. Die Masse sollte leicht zerkocht und von einer Konsistenz wie flüssige Marmelade sein. Von der Herdplatte nehmen, Senfmehl einstreuen und gut verrühren. Wieder auf den Herd stellen und leicht köcheln, dabei ständig umrühren, da der Senf schnell ansetzt. Kurz bevor die gewünschte Konsistenz erreicht ist, die beiseite gestellten Fruchtwürfel zugeben und weiterrühren. Heiß in sterile Gläser geben und fest verschließen. Bis zur Verwendung mindestens 4 Wochen ziehen lassen.

Und hier noch mein Zwischenergebnis der bisher „eingesenften“ Obstsorten:
Der Birnensenf ist sehr zart im Geschmack, Quitte ebenso, aber zu einfachem Gouda oder Ziegenfrischkäse sehr gut. Beiden tut ein bisschen zusätzliche Würze (Kräuter, Chili oder auch Curry) ganz gut. Der erste Durchgang mit ganz reifen Nektarinen ist super geworden, die zweite Version (da war die Saison aber schon fast vorbei) ein bisschen weniger intensiv. Ananas zieht noch und wartet auf den Geschmackstest.
Geschmacklich haben bisher definitiv Nektarine und Zwetschge gewonnen, die bieten auch einem würzigen Bergkäse oder reifem Camembert Paroli. Wenn im nächsten Jahr die Obstsaison wieder beginnt, möchte ich Kirschen, Beeren und Aprikosen ausprobieren. Mango, Feige und Orange würden mich in diesem Jahr auch noch reizen, aber jetzt müssen erstmal die Vorräte gegessen und verschenkt werden.
Wenn man hübsche Gläschen mit Etiketten und einen farblich schönen Senf (bisher hat in dieser Hinsicht nur Zwetschge wirklich überzeugt) verwendet, wären das auch sehr schöne Hochzeits-Gastgeschenke…

Einen schönen Rest der Woche wünscht Frau Müller

Frei oder nicht frei…

Das Problem mit der Freizeit ist, dass man sich meist viel zuviel vornimmt. Und dann wird es doch wieder stressig und die Hälfte der tollen Ideen fällt unter den Tisch. Bei mir ist es momentan so, dass ich vor lauter Bastel-, Näh- und Marmeladenkochplänen kaum weiß, wo ich anfangen soll. Wollmantel nähen, Marmelade und Senf einkochen, Hochzeitstischdeko basteln (ok, das steht in der Wichtigkeit zur Zeit noch ganz hinten, liegt aber dafür auf der Wunschliste weit vorn!), weihnachtliche Geschenkanhänger zuschneiden, mit der Weihnachtsgeschenkproduktion beginnen… Puh.

Am Wochenende bin ich vor dem ganzen kreativen Ideen-Orkan erstmal ins heimatliche Westfalen geflohen. Das hat aber nicht viel genutzt, denn dort gab es einen Lager-/flohmarktverkauf mit ganz tollen Sachen und zack! – schon standen wieder 10 neue Projektideen auf dem Tisch. Ich habe jetzt beschlossen, dass ich eine lange Liste anlegen werde. Und dann alles nach und nach abarbeite. Mal schauen, ob’s klappt… An erster Stelle wird ein Pflaumensenf stehen. Umsetzung laut Plan am Donnerstag. Die Gläser stehen bereit und wenn alles klappt, wie es soll, gibts am Freitag das Rezept!

Einen schönen verspäteten Wochenstart wünscht Frau Müller

Rhabarberhabarberhabarberhabarber

Bevor die Zeit der rotgrünen Stangen endgültig vorbei ist, lohnt es sich, noch ein paar besondere Rezepte zu testen. In der Hoffnung auf eine spätsommerliche Grillsaison habe ich mich an einen Rhabarbersenf gewagt, der sich nicht nur ganz einfach, sondern auch in rauen Mengen herstellen lässt. Die Rezeptmenge ergibt etwa ein mittelgroßes Schraubglas (ca. 300g) oder zwei kleine.

eine Stange Rhabarber
3 EL brauner Zucker
100 ml Wasser
100 ml Fruchtessig (bei mir war es Granatapfelessig)
2 EL Honig
50 ml trockener Sherry
100 g gelbes Senfmehl
Estragon nach Belieben (kann auch ganz weggelassen werden)

Rhabarber schälen, der Länge nach halbieren und in ca. 0,5 cm große Stücke schneiden. Mit Wasser und Honig aufkochen und vom Herd nehmen. Der Rhabarber kurz davor sein zu zerfallen, aber noch in Stücken erkennbar sein. Durch ein feines Sieb abgießen, die Flüssigkeit auffangen und etwa um die Hälfte einreduzieren. Essig, Honig, Sherry und Senfmehl verrühren, eventuell nach und nach etwas vom abgekühlten Sud zugeben, bis die perfekte Konsistens fast erreicht ist (der Rhabarber enthält auch noch ein wenig Flüssigkeit). Sollte der Senf zu flüssig sein, einfach noch etwas Senfmehl einrühren. Dann den Rhabarber und den sehr fein gehackten Estragon vorsichtig unterheben, alles in ein steriles Schraubglas füllen und bis zur Verwendung im Kühlschrank aufbewahren.

RhabarbersenfEinen sonnigen Wochenstart wünsch Frau Müller